Was wir machen

Hilfe für die Rehkitze in Waldeck-Frankenberg

Wussten Sie, dass jedes Jahr rund 100.000 Rehkitze in Deutschland sterben, weil sie bei der Silage- und Heuernte im Frühsommer “mitgemäht” werden?

Doch warum ist das so?

In den ersten Lebenswochen haben Rehkitze den sogenannten „Drückinstinkt“, der sie vor Fressfeinden schützen soll. Dabei handelt es sich eigentlich um  eine sehr sinnvolle Überlebensstrategie: Das Kitz drückt sich auf den Boden und verharrt in dieser Position, unabhängig davon, welche Gefahr ihm droht. Dies bedeutet jedoch im Umkehrschluss, dass ein Mähwerk für das Kitz den sicheren Tod bedeutet, da es nicht flüchten wird. Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass die Felder und die Mähwerke immer größer werden, und viele Landwirte überhaupt nicht mehr in der Lage sind, ihre Felder hinreichend abzusuchen.

Was wird bereits getan?

Das klassische Aufstellen von Scheuchen und Flatterbändern bietet dabei nur einen mangelhaften Schutz, da eine Gewöhnung einsetzt und aufgrund der Abhängigkeit vom Wetter stehen für die Mahd häufig nur wenige Tage, manchmal sogar nur wenige Stunden zur Verfügung. Deshalb wird, sobald das Wetter passt, von vielen Landwirten parallel gemäht, was die Jagdpächter, die Landwirte bei bei der Sicherung ihrer Wiesen unterstützen, in der Mahd maßlos überlastet. Häufig ist es ein schier unmögliches Unterfangen und aus diesem Grund kommt es Jahr für Jahr zu schrecklichen Szenen auf den Feldern.

Was sind die Folgen?

Nicht nur für die Ricken ist der Tod eines Kitzes ein traumatisches Erlebnis. Auch für die Landwirte und Jagdpächter stellt das Mähen eines Kitzes eine starke psychische Belastung da, denn die Kitze sterben in der Regel keinen schnellen Tod, sondern müssen auch noch von ihren Qualen erlöst werden.

Wie helfen wir?

Uns war es von Anfang an wichtig, einen guten Kontakt zur Jägerschaft und den Landwirten zu pflegen. Sie kennen ihre Reviere, ihre Flächen und häufig sogar den Wild-Bestand – dies ist für unsere Arbeit von unschätzbarem Wert. So konnten wir in der Mahd 2018 über 100 Landwirte, Jagdpächter und Jagdausübungsberechtigte von unserer Mission überzeugen. Doch wie sieht unsere Hilfe nun konkret aus?

Wir unterstützen auf drei verschiedene Arten:

1. Vergrämungsgerät KR01

Unser Hauptfokus liegt auf den Vergrämungsgeräten. Die Geräte geben optische und akustische Signale von sich und haben sich in der letzten Saison mehr als bewährt. Bei über 200 Einzeleinsätzen konnten die Geräte zeigen was in ihnen steckt und so konnten wir vielen Rehkitzen im Landkreis das Leben retten. In unserem Bestand befinden sich derzeit 100 Geräte, doch unser Ziel ist es, in April mit 100 weiteren Geräten an den Start zu gehen.
 
 

Warum funktionieren die Geräte?

Die Piep-Töne und blauen Blink-Signale werden unregelmäßigen Abständen und Frequenz abgeben. Die Fläche wird der Ricke dadurch als Ablageort zu unsicher und sie wird das Kitz bei nächster Gelegenheit aus der Fläche führen.

Wie sieht die Vorgehensweise aus?

Nachdem sich der Landwirt an uns gewendet hat, erfolgt im Idealfall ein Vorgespräch bei dem wir die Flächen kartographisch erfassen und die Funktionsweise erklären. Anhand dieser Erfassung ist es uns dann möglich, den jeweiligen Bedarf zu berechnen und die Anordnung festzulegen. Am Einsatztag selber, kommen wir dann mit einem kleinen Team vorbei und stecken die berechnete Anzahl von Geräten. Wir freuen uns sehr über jeden Landwirt oder Jagdpächter, die sich nach dem ersten gemeinsamen Stecken bereit erklären, die Geräte in den weiteren Schnitten oder der nächsten Saison selbst zu stecken. Die Geräte stellen wir nach Verfügbarkeit jederzeit zur Verfügung.

Was ist zu beachten?

Diese Methode bedarf etwas Planung und Vorlaufzeit. Je früher sich jemand meldet, um so wahrscheinlicher ist es, dass wir am Einsatztag die Geräte bereitstellen können.

Warum das Vorgespräch?

Es gibt kein Patentrezept und viele Variablen. So kann der Erfolg von den Geräten massiv von der Lage der jeweiligen Flächen, der Beschaffenheit sowie dem jeweiligen Rehbestand abhängen. Erfahrungswerte aus der ersten Mahd haben ebenfalls dazu beigetragen, dass wir auf einigen Flächen grundsätzlich von dieser Variante abraten würden.

2. Abflug mit der Drohne

Die Kitzretter verfügen über eine Vereinsdrohne mit Infrarot-Kamera sowie ein einsatzfähiges Pilotenteam. Darüber hinaus sollen in der kommenden Mahd auch noch zwei weitere Drohnen in Einsatz genommen werden, die uns von unseren Piloten freundlicherweise für die Kitzretter-Einsätze zur Verfügung stellt werden. Um diese für unsere Zwecke auszurüsten, benötigen wir mindestens eine, im Idealfall zwei weitere Wärmebildkameras, die flexibel an den beiden privaten Drohnen angebracht werden können.

Wie sieht die Vorgehensweise aus?

Ein Drohneneinsatz setzt die meiste Planung voraus, da die Flächen nicht manuell, sondern durch automatische Programmierung abgeflogen werden. Hierfür müssen die Flächen erfasst und Flugrouten erstellt werden. Ein Vorgespräch ist eigentlich unumgänglich. Am Einsatztag kommt dann ein mehrköpfiges Einsatzteam bestehend aus einem Piloten, einem Spotter und 1-2 Personen zum Bergen der Kitze.

Was ist zu beachten?

Abhängig von Wetter können wir nur in den frühen Morgenstunden fliegen. Die Kitze werden bei dieser Methode geborgen und/oder gesichert. Im Idealfall wird aus diesem Grund direkt im Anschluss gemäht – möglicherweise wäre auch eine Kombination mit Vergrämungsgeräten denkbar. Die Drohne kann zudem nicht überall eingesetzt werden und teilweise müssen im Vorfeld Genehmigungen beim Regierungspräsidium in Kassel eingeholt werden.

3. Ablaufen im Team

Das Ablaufen der Flächen ist eigentlich immer möglich, jedoch profitiert auch diese Variante von einem Vorgespräch für die weitere Koordination.

 

Wie sieht die Vorgehensweise aus?

Je nach Flächengröße und Beschaffenheit kommen wir am Einsatztag mit einem Team von 6+ Leuten und laufen im Verband mit einem Meter Abstand die Flächen ab. Häufig werden wir hierbei von Hunden begleitet. Dies hat den Vorteil, dass die Flächen zusätzlich verwittert werden.

Was ist zu beachten?
 

Je frühzeitiger die Einsätze angemeldet werden, umso wahrscheinlicher ist es, dass wir ein großes Team auf die Beine stellen können. Im Idealfall wird direkt nach dem Ablaufen gemäht, da die Flächen schon nach wenigen Stunden wieder in Benutzung sein könnten. Außerdem ist der Zeitaufwand bei dieser Variante recht hoch und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kitz übersehen wird, ist hier ungleich höher als bei den anderen beiden Möglichkeiten.

Wie können Sie unsere Arbeit unterstützen?

 

Rückblickend war die Mahd 2018 sehr erfolgreich für uns. Wir haben es geschafft, uns als Verein zu etablieren und vielen Kitzen das Leben zu retten. Doch nach der Mahd ist vor der Mahd und es zeichnet sich ab, dass die kommende Saison deutlich umfangreicher ausfallen wird. Unser ambitioniertes Ziel ist es, in der nächsten Saison mit weiteren 100 Vergrämungsgeräte vom Typ KR01 und zwei zusätzlichen Wärmebildkameras für unsere Drohnen an den Start zu gehen.

Möchten Sie uns in unserer Arbeit unterstützen? Dann spenden Sie jetzt! Informationen finden Sie hier: Spenden

Die Rehkitze und ihre Retter sagen DANKE!